Anna Isdath

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Anna Isdath

Anna Isdath, geboren 1969 in Haifa, arbeitete die Werke, die sie mit ihrem Zwillingsbruder und kongenialen Dichter- und Kunstpartner Samuel Isdath gemeinsam kreiert hatte, nach dessen Tod weiter aus. Prägend wirkten die späten achtziger Jahre, in denen die Geschwister in Zusammenarbeit mit der „our-band“ Poesie, Rockmusik und Theater in lebhaften experimentellen Phasen entwickelten und europaweit aufführten. In den Neunzehnhundertneunzigern begann Anna Isdath mit eigenen bildnerischen Objekten und Auftritten zu experimentieren.  Als aktive Künstlerin seit den Anfängen der ‚Poesie wasserdicht‘ und der „Kulturlaterne“ unterstützt Anna Isdath die kreativen Aktionen der Werkstatt Ogonjok aktiv, kuratierte und besetzte Ausstellungen und veröffentlichte verschiedene Essay- und Gedichtbände.  Anna Isdath lebt und arbeitet in der Nähe von Köln.

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Anna bei der Kunstaktion BRILLE FÜR DEN ERSTEN BLICK

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 beim Künstlerfluss Wieseck 2013

 

Interview mit der Brillenfrau.

Frage: Frau Isdath, Sie sind mit ihrer Aktion „Brille für den ersten Blick“ seit Wochen in der Region aufgefallen. Jetzt noch diese Performance. War das alles so geplant?
Brillenfrau: Selbstverständlich.
Frage: Die meisten Leute heute sehen ja nichts mehr, sie huschen sich am eigentlichen Sehen vorbei, und kleben an Neigungen, Hypes, Trends, was auch immer.
Brillenfrau: Genau. Daher wurde ja das Buch auch geschrieben. Sehen, was es heißt zu sehen, das ist die Schnittstelle von Poesie und Philosophie, die wir aufzeigen wollen.
Frage: Und Ihr greifbares Ziel für dieses Jahr?
Brillenfrau: Wir sind in das Jahr gestartet mit der Prämisse, eine vierstellige Zahl von Menschen dazu zu bringen, über die Brille, und was es heißt, wahrzunehmen, nachzudenken.
Frage: Ein verrücktes, ehrgeiziges Projekt?
Brillenfrau:  Ein Projekt das Maßstäbe setzt. Es sind wirklich Zaubersprüche – wenn man weiß in welcher Betonung man sie zu sagen hat.
Frage: Ist das nun Kunst, Literatur oder Performance?
Brillenfrau: Es ist Philosophie. Verstehen verkleidet in eine ganz eigene Art von Bild – und ein solches, das einen mitnehmen kann. Man muss nur einen kleinen eigenen Tropfen von Neugier mitbringen, um ein Meer der Wunder zu erhalten. Der erste Blick ist der entscheidende, und es gilt zu verstehen, welche Brillen zur Verfügung stehen, und welches die eigenen sind. Da ist nichts Künstliches oder Warenhaftes – diese Philosophie erinnert an uralte Weisheiten: dass man schauen muss, und zwar unparteiisch und objektiv.
Frage: Descartes?
Brillenfrau: Eher Lao-tse und Eckhard. Und Sie und ich.
Frage: Ja, wenn Sie so sprechen hört es sich total einfach an. Doch es ist zu fürchten, das die meisten Leute vor einem Rätsel stehen, wenn sie diese Installation sehen.
Brillenfrau: Wer sagt ihnen denn, dass es keine Absicht sein kann, die Leute die Chance zu geben, die eigenen Hilflosigkeit wieder einmal zu spüren? Die Brillenschule ist durchaus strukturiert und pädagogisch durchdacht. Wie gesagt, ein Gramm Neugier und Forscherdrang muss schon mitgebracht werden. Dann kann man Neues lernen und profitieren.
Frage: Und wer nur eine Ihrer Installationen sieht, die Achseln zuckt und seiner Wege geht?
Brillenfrau: Ach wissen Sie, es gibt nichts, das vergeht. Jeder kleine Augenblick ist wertvoll und kann jemanden vielleicht noch nach Jahren erreichen und auf einen wertvollen Weg bringen. Der erste Blick ist die Eintrittskarte in die Wirklichkeit.
Frage: Der richtige Blick gerät zu oft in Vergessenheit. Sie versuchen, mit Wissenschaft und Poesie dagegen anzugehen. Danke, dass ich fragen durfte, um dies festzustellen.

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 Leseprobe Brille für den ersten Blick:

Leseprobe

Leseprobe Lied im Glas / Lied von der ersten Erde:

Leseprobe

 

und direkt zu den Büchern:

Buch Icon Brille plusBuch Icon Lied

2 Gedanken zu “Anna Isdath

  1. Weiß man etwas über den Tod von Samuel Isdath? Gibt es eine letzte Poesie aus seiner Feder oder ist seine Poesie ganz und gar mit der seiner Schwester Anna verwoben?

  2. Liebe J.
    wir müssten uns treffen, um mehr über Samuels persönliches Schicksal zu sprechen. Was ich sagen kann ist, dass noch ein unermesslicher Schatz an Manuskripten und Konzepten von Samuel erhalten sind. Wir sichten und pflegen den Nachlass nach Kräften. Welche Auswahl als nächstes erscheinen wird und wann steht allerdings noch nicht fest.

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